Westerburg ist eine Stadt, die ihren Namen der Burg verdankt – und die Burg verdankt ihren Namen dem Westen. „Westernaha“, so der keltische Ursprungsname, bedeutet so viel wie „westliches Wasser“ und verweist auf den Schafbach, der heute noch mitten durch die Stadt fließt. Über 700 Jahre nach Verleihung der Stadtrechte ist Westerburg eine kleine, ruhige Stadt im Oberen Westerwald – mit rund 5.000 Einwohnern, einer historischen Oberstadt und einem Schloss auf dem Burgplateau, das die Geschichte des Ortes in Stein erzählt.
Westerburg liegt im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz, nur wenige Kilometer von der hessischen Grenze entfernt, und ist damit ein echter Westerwälder Ort: nicht mit großstädtischem Getümmel, aber mit einer Tiefe, die sich erst beim Erkunden erschließt. Die historische Oberstadt mit ihrem mittelalterlichen Kern, das Schloss mit seiner langen Herrschaftsgeschichte und der Dreikirchenweg durch die Stadt – das sind die Zutaten eines Tagesausflugs, der sich lohnt.
Eine Stadt mit 2.700 Jahren Geschichte
Die ältesten Zeugnisse menschlicher Siedlung in Westerburg reichen bis in die Urnenfelderzeit um 700 vor Christus zurück – eine Urne aus jener Zeit, in der Adolfstraße gefunden, ist heute im Burgmannenhaus ausgestellt. Der Name selbst hat keltische Wurzeln: „Westernaha“ oder „Westernohe“ leitet sich vom keltischen Wort für Wasser ab und verweist auf den Schafbach, dem Gewässer, das die Stadt bis heute prägt.
Im 9. Jahrhundert wurde die Region politisch relevant, als der konradinische Niederlahngraf Gebhard sein Chorherrenstift in das nahegelegene Gemünden verlegte und dem Westerburger Raum Güter schenkte. Das Schloss selbst ist erstmals 1192 urkundlich belegt, die Burganlage dürfte aber älter sein. 1292 schließlich erhob König Adolf von Nassau Westerburg – gemeinsam mit Wetzlar – zur Stadt. Das Stadtrecht orientierte sich am Recht der Stadt Wetzlar, das wiederum auf dem Frankfurter Stadtrecht basierte. Ein Schöffengericht wurde 1303 genehmigt, erste Stadtbefestigungen entstanden spätestens 1304.
Die Stadt entwickelte sich in zwei Teilen: Der älteste Teil lag dicht unterhalb des Schlosses – die heutige Oberstadt. Der untere Bereich wuchs erst später. Bis heute ist diese zweigeteilte Struktur im Stadtbild erkennbar: hier das mittelalterliche Gefüge der Oberstadt, dort die jüngeren Erweiterungen des 19. und 20. Jahrhunderts.
Das Schloss – Kern der Oberstadt und Spiegel der Geschichte
Das Schloss Westerburg thront auf einem Plateau mitten im heutigen Stadtkern – einst östlich der alten Stadt gelegen, ist es inzwischen von ihr umschlossen. Die Burganlage gehörte zunächst den Grafen von Leiningen und gelangte zu Beginn des 13. Jahrhunderts durch eine Heirat an die Herren von Runkel. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde sie Sitz der Herren von Westerburg, die sich 1288 mit Heinrich I. von Westerburg endgültig vom Haus Runkel abspalteten und eine eigene Linie begründeten.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Schloss mehrfach erweitert und umgebaut. Die Burgkapelle in der Nordostecke und Teile der Ostfront stammen vermutlich aus dem frühen 13. Jahrhundert – die ältesten noch erhaltenen Abschnitte der Anlage. Das Gebäude mit dem großen Rittersaal wurde zwischen 1476 und 1483 fertiggestellt. Die Burgarchitektur lässt sich in fünf Bauphasen unterteilen: vom runden Bergfried unter Siegfried II. von Runkel im frühen 13. Jahrhundert bis zum Lustgarten des 18. Jahrhunderts, der auf älteren Burgmauern errichtet wurde.
- Burgkapelle – ältester erhaltener Teil der Anlage, vermutlich frühes 13. Jahrhundert, spätromanisches Kapitelportal mit zwei liegenden Löwen
- Großer Rittersaal – fertiggestellt 1476–1483, Teil des Hauptgebäudes mit Mansarddach
- Bergfried (Butterfassturm) – runder Wehrturm, erste Phase unter Siegfried II. von Runkel
- Restaurant im Schloss – heute Gastronomie in historischen Gemäuern
Nach der Mediatisierung im Reichsdeputationshauptschluss 1803 fiel die Herrschaft Westerburg an das Herzogtum Nassau, das Schloss blieb aber in Leininger Besitz. Nach dem Ersten Weltkrieg diente es als Erholungsheim, dann als Weberei, im Zweiten Weltkrieg als „Kinderlandverschickung“. Heute ist das Schloss im Privatbesitz und beherbergt neben einem Restaurant auch eine Zahnarztpraxis – eine pragmatische Nutzung mit historischem Ambiente.
Das Burgmannenhaus – Westerburgs gute Stube
Direkt neben dem Schloss liegt das Burgmannenhaus, eines der ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt und inzwischen als „Westerburgs gute Stube“ bekannt. Es diente einst als Wohnhaus für die Burgmannen – jene Ritter und Edelleute, die im Dienst der Schlossgrafschaft standen und dafür in der Unterstadt wohnten. Heute beherbergt das Haus unter anderem Fundstücke aus der Urnenfelderzeit und ist Ausgangspunkt für die historischen Stadtführungen und Podcastwege, die Westerburg seit einigen Jahren anbietet.
Der Dreikirchenweg – Kultur auf 3,4 Kilometern
Eine besondere Möglichkeit, Westerburg zu erleben, ist der Dreikirchenweg – eine 3,4 Kilometer lange Rundwanderung, die drei bedeutende Kirchen der Stadt miteinander verbindet: die evangelische Schlosskirche, die Christkönigkirche und die Liebfrauenkirche. Der Weg führt durch die schönsten Winkel der Altstadt und verbindet Geschichte, Architektur und Landschaft auf engem Raum. Die Schlosskirche, direkt an der Burganlage gelegen, hat einen spätromanischen Turm, der möglicherweise auf den ersten Kirchenbau neben der Burgkapelle zurückgeht – ein stiller Zeuge der frühen Siedlungsgeschichte. Wer Kultur, Geschichte und einen ruhigen Spaziergang sucht, ist hier gut aufgehoben.
Wandern und Radfahren rund um Westerburg
Westerburg liegt mitten im Wandergebiet des Oberwesterwalds und ist von gut markierten Wegen durchzogen. Der WesterwaldSteig – als Top Trail of Germany ausgezeichnet – verläuft durch die unmittelbare Umgebung und ist von Westerburg aus bequem zu erreichen. Wer eine kürzere Tagestour sucht, findet im Stadtgebiet und der näheren Umgebung mehrere ausgeschilderte Rundwanderwege, die durch Buchenwälder, über Hochflächen und an Bachauen entlangführen.
Besonders beliebt ist die Wanderung zum Wiesensee bei Stahlhofen am Wiesensee, nur wenige Kilometer von Westerburg entfernt. Der Wiesensee ist eines der bekanntesten Freizeitzentren des Westerwalds: ein Badesee mit Naturufer, Möglichkeiten zum Segeln, Surfen und Angeln, einer Minigolfanlage und einem Campingplatz direkt am Wasser. Er liegt eingebettet in sanfte Hügellandschaft und ist im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für Familien aus der gesamten Region.
- Morgens: Oberstadt und SchlossStart am Alten Markt, Bummel durch die historische Oberstadt, Besuch des Burgmannenhauses mit den Urnenfeldfunden. Aufstieg zum Schlossplateau mit Blick über die Stadt.
- Mittags: DreikirchenwegDie 3,4 km lange Rundroute durch Westerburg führt an Schlosskirche, Christkönigkirche und Liebfrauenkirche vorbei – ideal als Verdauungsspaziergang nach dem Mittagessen im Schlossrestaurant.
- Nachmittags: WiesenseeNur wenige Kilometer entfernt lädt der Wiesensee bei Stahlhofen zum Baden, Segeln oder Entspannen am Ufer ein. Im Sommer ist er bis zum frühen Abend frequentiert.
- Optional: WesterwaldSteig-EtappeWer mehr Kilometer machen möchte, startet von Westerburg auf eine Teiletappe des WesterwaldSteigs Richtung Bad Marienberg oder Hachenburg – beide Orte sind mit dem Bus auch wieder erreichbar.
Der Erlebnisbahnhof Westerwald und das Eisenbahnplakat-Museum
Westerburg hat eine besondere Beziehung zur Eisenbahn. Bis 1981 fuhr die Westerwaldquerbahn durch die Stadt, die Strecke Herborn–Montabaur wurde im Personenverkehr eingestellt, der Güterverkehr folgte 1995. Was geblieben ist: der Erlebnisbahnhof Westerwald, der heute als Veranstaltungsort und kultureller Treffpunkt dient, und das Eisenbahnplakat-Museum – eine außergewöhnliche Sammlung historischer Reiseplakate aus der Blütezeit des Bahnreisens. Wer sich für Grafik- und Designgeschichte interessiert, findet hier ein stilles, lohnenswertes Museum abseits der großen Tourismusrouten.
Westerburg als Ausgangspunkt im Westerwald
Die Stadt liegt günstig im Oberwesterwald und ist von dort aus gut erschlossen. Die Westerwälder Seenplatte mit dem Dreifelder Weiher ist nur wenige Kilometer entfernt – ein ideales Ziel für einen halben Tag mit Radtour um alle sieben Weiher. Bad Marienberg, der nächste Kurort mit Barfußweg und Wildpark, liegt in unmittelbarer Nähe. Hachenburg mit seinem barocken Schloss und der hübschen Altstadt ist ebenfalls gut erreichbar. Und für alle, die tiefer in die Vulkangeologie des Westerwalds eintauchen möchten, ist der Stöffel-Park in Enspel – Freilichtmuseum auf einem ehemaligen Basaltgelände – eine lohnende Ergänzung zum Ausflug.
| Information | Details |
|---|---|
| Lage | Oberwesterwald, Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz |
| Stadtrechte | seit 9. Juli 1292 (König Adolf von Nassau) |
| Schloss erstmals erwähnt | 1192 |
| Einwohner | ca. 5.000 |
| Anfahrt Auto | A3 oder A48, jeweils ca. 20 km Entfernung |
| Sehenswürdigkeiten | Schloss, Burgmannenhaus, Dreikirchenweg, Eisenbahnplakat-Museum |
| Freizeit in der Nähe | Wiesensee Stahlhofen, Westerwälder Seenplatte, WesterwaldSteig |
| Ausflugsziele | Bad Marienberg, Hachenburg, Stöffel-Park Enspel |
Wer von Westerburg aus den Westerwald weiter erkunden möchte, findet in unserem Artikel zu den Aktivitäten im Westerwald einen umfassenden Überblick – von Wanderwegen über Besucherbergwerke bis zur Westerwälder Seenplatte.
Häufige Fragen zu Westerburg
Die Redaktion von www.rhein-pfalz-aktiv.de ist Ihr kompetenter Begleiter rund um das Thema Rheinland-Pfalz. Mit fundiertem Wissen und großer Begeisterung für die Region informieren wir über aktuelle Ereignisse, Freizeitmöglichkeiten, kulturelle Highlights und vieles mehr. Unser Ziel ist es, Leserinnen und Leser zu inspirieren, Rheinland-Pfalz aktiv zu entdecken und zu erleben. Das kann bei Wanderungen, kulinarischen Genüssen oder kulturellen Veranstaltungen sein. Wir freuen uns, Ihnen die Vielfalt und Schönheit unseres Bundeslandes näherzubringen.
