Vor etwa 10.900 Jahren erschütterte eine gewaltige Explosion die Eifel. Grundwasser traf auf aufsteigendes Magma – das Ergebnis war eine phreatomagmatische Eruption, die Gesteinsmassen kilometerweit schleuderte und einen ovalen Trichter in die Landschaft riss. Das war der letzte Vulkanausbruch auf deutschem Boden. Und der See, der sich anschließend in diesem Krater sammelte, ist bis heute da: das Ulmener Maar, das jüngste aller Eifelmaare.
Wer heute am Ufer des Ulmener Maars steht, sieht einen stillen, tiefblauen See, eingebettet in bewaldete Kraterhänge, über denen die Ruine der Burg Ulmen thront. Kaum vorstellbar, was hier vor fast 11.000 Jahren passiert ist. Und doch ist jede Linie dieser Landschaft – der ovale Umriss des Sees, der Tuffwall, die steilen Hänge – das direkte Ergebnis jener Explosion. Das Ulmener Maar gehört zur Deutschen Vulkanstraße und ist eines der eindrucksvollsten Ziele in der Vulkaneifel.
Wie ein See aus einer Explosion entsteht
Die Entstehung eines Maars ist eine der dramatischsten geologischen Prozesse, die es gibt. Wenn aufsteigendes Magma auf wasserführende Gesteinsschichten trifft, verdampft das Wasser schlagartig – das erzeugt einen Druck, der sich in einer gewaltigen Explosion entlädt. Gestein, Asche und Schlacke werden dabei in einem weiten Umkreis ausgeworfen und lagern sich als Tuffwall um den entstandenen Krater ab. Anschließend füllt sich der Krater mit Grundwasser und Regenwasser – und es entsteht ein Maar.
Der Tuffwall des Ulmener Maars erreicht an manchen Stellen eine Höhe von bis zu 20 Metern und ist noch heute gut erkennbar. Der ovale Trichter misst in nord-südöstlicher Richtung rund 510 Meter, quer dazu 350 Meter. Die Gesamttiefe des Trichters beträgt 86 Meter, der See selbst ist bis zu 39 Meter tief. Diese Zahlen geben eine Vorstellung davon, wie gewaltig die Explosion war, die diese Landschaft formte.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Entstehung | vor ca. 10.900 Jahren |
| Höhenlage | 420 m üNN |
| Trichterform | 510 m NW-SE / 350 m SW-NE |
| Trichtertiefe gesamt | 86 m |
| Seefläche | 55.000 m² |
| Maximale Seetiefe | 39 m |
| Tuffwallhöhe | bis 20 m |
| Koordinaten | 50°12’48“ N / 06°58’10“ E |

Der Maar-Stollen und der Jungferweiher – zwei Vulkane, eine Verbindung
Eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten rund um das Ulmener Maar ist der Maar-Stollen: ein unterirdischer Gang, der das Maar mit dem nördlich gelegenen Jungferweiher verbindet. Der Stollen ist für Besucher begehbar und gibt einen faszinierenden Einblick in die Geologie des Untergrunds. Bohrungen haben ergeben, dass der Jungferweiher der Überrest eines etwa 118.000 Jahre alten Vulkans ist – also wesentlich älter als das Ulmener Maar und einst deutlich größer. Die beiden Gewässer entstanden zu verschiedenen Zeiten aus verschiedenen Vulkaneruptionen und sind trotzdem durch denselben Untergrund miteinander verbunden. Das Projekt „Ulmener Maar-Stollen mit der Ulmener Entdeckertour“ wurde im November 2024 mit dem Tourismuspreis Rheinland-Pfalz in der Kategorie „Projekt des Jahres“ ausgezeichnet.
Trinkwasser aus dem Krater – eine stille Besonderheit
Das Ulmener Maar hat neben seiner touristischen Bedeutung auch eine wichtige praktische Funktion, die kaum jemand kennt: Seit 1926 wird aus dem 39 Meter tiefen See Trinkwasser gewonnen. Rund 30.000 Einwohner der Region werden damit versorgt. Das macht das Maar zu einem der wenigen natürlichen Seen Deutschlands, die gleichzeitig Trinkwasserreservoir und Touristenziel sind – und erklärt auch, warum das Schwimmen im See nicht gestattet ist.
Die Burgruine über dem Maar
Am südlichen Rand des Kratersees liegen die Überreste der mittelalterlichen Burg Ulmen – eine Ruine, die dem Maar eine historische Dimension verleiht, die über die Geologie weit hinausgeht. Von der Ruine aus öffnet sich ein weiter Blick über den See und die bewaldeten Kraterhänge, der besonders bei Sonnenuntergang beeindruckend ist. Die Burg war einst Sitz der Herren von Ulmen und gehört zu den ältesten Adelssitzen der Eifel. Heute ist sie frei zugänglich und lohnt den kurzen Aufstieg vom Seeufer aus.

– vom Maar auf tausend Jahre Geschichte blicken
Direkt am Ulmener Maar, unterhalb der Burgruine, steht die katholische Pfarrkirche St. Matthias – und sie hat eine Geschichte, die fast so alt ist wie die Burg selbst. Die Kirche wurde vermutlich um das Jahr 1000 errichtet und diente ursprünglich als Burgkapelle der Herren von Ulmen. Damit ist sie ein unmittelbarer Zeuge der mittelalterlichen Herrschaftsgeschichte, die sich rund um den Kratersee entfaltete.
Wer die Kirche betritt, stößt auf bemerkenswerte Überreste dieser langen Geschichte: Das Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert steht noch in seinem Originalzustand, dazu Grabinschriften der Ulmener Burgherren sowie ein Tabernakel und ein Nebenaltar aus dem 17. Jahrhundert. Bei Umbauarbeiten im Jahr 1905 kam eine Urkunde zum Vorschein, die auf eine Weihe der Kirche im Jahr 1486 hinweist. 1905 wurde die Kirche im neugotisch-neoromanischen Stil neu gebaut – unter Verwendung von Mauerteilen des Vorgängerbaus. Von 1967 bis 1968 kam ein neuer Altarraum mit zwei Seitenschiffen hinzu, der die mittelalterliche Substanz mit moderner Architektur verbindet. Der Renaissance-Altar mit seinem Figurenreichtum und das spätgotische Sakramentshäuschen gelten als kunsthistorische Kleinode, die einen eigenen Besuch rechtfertigen.
Die Sage vom Riesenfisch
Wie so viele geheimnisvolle Seen in der Eifel hat auch das Ulmener Maar seine Legende. Eine alte Sage erzählt von einem Riesenfisch, der in den Tiefen des Maars hausen soll – so groß, dass er angeblich das gesamte Wasser des Sees in Bewegung versetzen kann. Ob diese Geschichte aus der dunklen Farbe des Wassers entstand, aus dem unheimlichen Rauschen des Stollens oder schlicht aus dem Bedürfnis der Menschen, dem Unerklärlichen einen Namen zu geben, ist nicht überliefert. Die Sage jedenfalls hält sich hartnäckig.
Wandern am Maar und in der Umgebung
Der Rundweg um das Ulmener Maar ist kurz – rund zwei Kilometer – aber stimmungsvoll. Er führt entlang der Kraterhänge, bietet wechselnde Blicke auf den See und passiert den Zugang zum Maar-Stollen. Wer mehr Zeit mitbringt, erkundet die Ulmener Entdeckertour: eine 3,7 Kilometer lange digitale Zeitreise durch den Ort mit 24 QR-Code-Stationen, die per Smartphone kurze Videos zu Geschichte und Natur abspielen – vom Burgnarren auf der Ruine bis zum Wasservogel am Jungferweiher. Das Maar liegt zudem günstig für Kombinationsausflüge zu anderen Maaren der Vulkaneifel – Meerfelder Maar, Schalkenmehrener Maar und Pulvermaar sind alle in kurzer Fahrdistanz erreichbar.
- Maar-Stollen – begehbarer Tunnel zum Jungferweiher, Tourismuspreis RLP 2024, mit digitaler Entdeckertour
- Burgruine Ulmen – mittelalterliche Ruine direkt über dem See, mit weitem Blick in den Krater, frei zugänglich
- St.-Matthias-Kirche – Pfarrkirche um 1000 n. Chr., ursprünglich Burgkapelle, Taufbecken 13. Jh., Renaissance-Altar
- Rundweg Ulmener Maar – ca. 2 km, flach, gut begehbar, ganzjährig zugänglich
- Jungferweiher – 118.000 Jahre alter Nachbar-Vulkansee, Vogel- und Naturschutzgebiet
- Deutsche Vulkanstraße – das Maar ist offizieller Halt auf dieser Themenroute durch die Vulkaneifel
- Ulmener Entdeckertour – 3,7 km, 24 QR-Code-Stationen, kostenlos per Smartphone nutzbar
Wer die Vulkaneifel tiefer erkunden möchte, findet in unserem Artikel zu den Parks und Naturzielen in Rheinland-Pfalz weitere Ausflugstipps – vom Wild- und Erlebnispark Daun bis zum Riedener Waldsee.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=d5h0rNfHFcI
Häufige Fragen zum Ulmener Maar
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