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Bingen

Bingen am Rhein – Tor zum Mittelrheintal

Bingen am Rhein liegt genau dort, wo der Rhein eine Kurve macht – und wo vier Weinregionen aufeinandertreffen: Rheinhessen, Nahe, Rheingau und Mittelrhein. Das ist kein Zufall, sondern Geografie: Die Nahe mündet hier in den Rhein, der Binger Wald steigt hinter der Stadt auf, und direkt vor den Toren beginnt das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Wer Bingen besucht, erlebt eine Stadt, die kleiner ist als ihr Ruf – rund 25.000 Einwohner – aber mehr Geschichte, Wein und Flussdramatik auf einem Fleck vereint als manch eine Großstadt.

Der keltische Ursprungsname „Bingium“ bedeutet womöglich „Loch im Fels“ – ein Verweis auf das berüchtigte Binger Loch, eine gefährliche Untiefe im Rheinstrom, die Schiffern über Jahrhunderte das Fürchten lehrte. Erst 1973 und 1974 wurde die Fahrrinne gesprengt und deutlich verbreitert. Bis dahin war Bingen ein Ort, an dem der Rhein sich bezähmen ließ – oder nicht.

Der Mäuseturm – Wahrzeichen mitten im Strom

Kein Wahrzeichen Bingens ist bekannter als der Mäuseturm, der auf einer kleinen Rheininsel direkt vor der Stadt steht. Um 1300 als Wacht- und Zollturm errichtet, diente er zusammen mit Burg Klopp und der gegenüberliegenden Burg Ehrenfels als Sperranlage des Rheins – Kaufleute, die ihre Waren auf dem Fluss transportierten, mussten hier ihren Zoll entrichten oder warten. Sein Name geht nicht auf die kleinen Nager zurück, sondern auf das mittelhochdeutsche Wort „musen“ – wachen und lauern.

Die Legende erzählt eine düsterere Geschichte: Erzbischof Hatto II. von Mainz soll im 10. Jahrhundert hungersnötige Bauern in einer Scheune eingesperrt und sie verbrannt haben – worauf ihn Scharen von Mäusen in den Turm trieben und auffraßen. Die Sage stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist historisch nicht belegt, aber sie hält sich hartnäckig. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört, wurde der Turm im 19. Jahrhundert nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner im neugotischen Stil restauriert und diente fortan als Signalturm für die Schifffahrt. Betreten werden kann er nur bei gelegentlichen Sonderführungen der Touristeninformation – aber der Anblick von der Uferpromenade oder von Burg Klopp aus ist ohnehin das eigentliche Erlebnis.

💡 Tipp: Der schönste Blick auf den Mäuseturm bietet sich vom Kulturufer oder von der Terrasse der Burg Klopp aus – besonders abends, wenn der Turm im Licht steht und die Moselschleife dahinter im Dunkel liegt.

Burg Klopp – die Stadtburg über den Dächern

Hoch über Bingen thront Burg Klopp auf dem gleichnamigen Hügel, von dem aus sich ein weiter Panoramablick über den Rhein, die Weinberge des Rheingaus auf der gegenüberliegenden Seite und die Altstadt zu Füßen öffnet. Erbaut zwischen 1240 und 1277, diente die Burg als Teil der kurmainzischen Zollbarriere am Rhein. Was heute zu sehen ist, stammt allerdings größtenteils aus dem 19. Jahrhundert: Nach mehrfacher Zerstörung – im Dreißigjährigen Krieg, dann wieder im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 durch französische Truppen – ließ Bürgermeister Eberhard Soherr von 1875 bis 1879 das neugotische Hauptgebäude als bürgerliche Sommerresidenz errichten. Seit 1897 beherbergt die Burg einen Teil der Binger Stadtverwaltung, darunter das Büro des Oberbürgermeisters.

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Zugänglich ist der 37,5 Meter hohe Bergfried – in den Sommermonaten tagsüber geöffnet und als Aussichtsturm besteigbar. Von oben öffnet sich ein 360-Grad-Panorama, das bei klarer Sicht bis weit ins Rheingau und ins Nahegebiet reicht. Victor Hugo und Richard Wagner sollen den Blick vom Kloppberg geschätzt haben – beide besuchten Bingen zur Blütezeit der Rheinromantik im 19. Jahrhundert.

  1. Start am KulturuferBeginne am Rheinkai mit Blick auf den Mäuseturm und die Burg Ehrenfels am anderen Ufer. Der Park am Mäuseturm entstand auf dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau 2008 – heute eine der schönsten Rheinpromenaden in Rheinland-Pfalz.
  2. Museum am StromDas ehemalige Elektricitätswerk beherbergt das Historische Museum am Strom mit einer umfangreichen Abteilung zur Hildegard von Bingen sowie zur Geschichte der Rheinschifffahrt und des Binger Lochs.
  3. Altstadt und MarktplatzDurch die Salzstraße – einst Wohnort der reichsten Kaufleute der Stadt – gelangt man zum Marktplatz mit seinem historischen Brunnen. Die Steinbauten zeugen vom mittelalterlichen Wohlstand der Händlerstadt.
  4. Basilika St. MartinDie Stadtkirche steht auf den Fundamenten eines römischen Tempels und ist damit ein direkter Zeuge der 2.000-jährigen Geschichte Bingens. Die ältesten Bauteile stammen aus dem frühen Mittelalter.
  5. Burg Klopp und PanoramablickDer Aufstieg zur Burg lohnt sich – von der Terrasse öffnet sich der beste Blick der Stadt auf Rhein, Mäuseturm und die gegenüberliegenden Weinberge. Im Sommer finden hier Abendveranstaltungen statt.
Burg Klopp Bingen (depositphotos.com)
Burg Klopp Bingen

Hildegard von Bingen – eine mittelalterliche Universalgelehrte

Hildegard von Bingen, 1098 geboren und 1179 gestorben, war eine der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten des Mittelalters. Als Äbtissin, Theologin, Komponistin, Naturforscherin und Briefpartnerin von Päpsten und Kaisern sprengte sie alle Grenzen, die ihrer Zeit für Frauen galten. Strenggenommen war sie keine gebürtige Bingerin – ihr genauer Geburtsort ist nicht überliefert – aber ihr Kloster Rupertsberg gründete sie am Rand von Bingen, und hier starb sie. 2012 wurde sie von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin erhoben, einem der höchsten Titel, den die katholische Kirche vergeben kann.

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Das Historische Museum am Strom in Bingen widmet ihr die größte Abteilung seines Hauses. Hildegards Schriften zur Naturkunde – das „Physica“ und das „Causae et Curae“ – beschreiben Pflanzen, Tiere und Steine aus einer Perspektive, die Naturbeobachtung mit Theologie verknüpft. Was sie über bestimmte Pflanzen und ihre Wirkungen schrieb, fasziniert Naturkundler bis heute – auch wenn ihre Beobachtungen nicht mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen gleichzusetzen sind. Der Hildegarten am Museum und ein Wanderweg auf dem Rochusberg erinnern an ihr Wirken in dieser Region.

💡 Tipp: Das Museum am Strom ist von November bis März nur am Wochenende geöffnet (Sa/So 10–17 Uhr), von April bis Oktober täglich. Eintritt: Erwachsene 3,50 €, Kinder frei. Führungen auf Anfrage buchbar unter museum-am-strom@bingen.de.

Weinberge und Schifffahrt – der Rhein als Lebensader

In Bingen treffen vier Weinanbaugebiete aufeinander – eine Konstellation, die es in dieser Form in Deutschland kein zweites Mal gibt. Rheinhessen, Nahe, Rheingau und Mittelrhein stoßen hier zusammen, und die Weinberge rund um die Stadt tragen Lagen aus allen vier Gebieten. Das Binger Winzerfest, das jährlich Anfang September über mehrere Tage gefeiert wird, ist eines der traditionsreichsten Weinfeste am Rhein. Die Kulturufer-Promenade bietet dabei eine der schönsten Kulissen für einen Abend mit Riesling im Glas und Blick auf den Mäuseturm.

Die Rheinschifffahrt hat Bingen über Jahrhunderte geprägt. Der Alte Rheinkran von 1487 am Kulturufer ist der älteste datierbare Landkran zwischen Mainz und Köln und ein stiller Zeuge der Handelsgeschichte. Heute legen Ausflugsdampfer am Kulturufer an – Schifffahrtstouren stromaufwärts Richtung Rüdesheim oder stromabwärts ins Mittelrheintal sind von Bingen aus gut zu starten. Besonders eindrucksvoll: „Rhein in Flammen“ am ersten Samstag im Juli, wenn Großfeuerwerke über dem Fluss gezündet werden und beleuchtete Schiffe durch das Tal fahren.

Sehenswürdigkeit Besonderheit Hinweis
Binger Mäuseturm Zollturm um 1300, mitten im Rhein Nur bei Sonderführungen betretbar
Burg Klopp Stadtburg mit 37,5 m Bergfried, Panoramablick Turm im Sommer tagsüber geöffnet
Museum am Strom Hildegard von Bingen, Rheingeschichte Eintritt 3,50 €, Mo geschlossen
Kulturufer Ehemaliges Landesgartenschau-Gelände 2008 Kostenlos, Parkplätze vorhanden
Rochuskapelle Wallfahrtskirche mit Hildegard-Altar, Aussicht Ausgangspunkt für Weinbergwanderungen
Alter Rheinkran Ältester Landkran zwischen Mainz und Köln (1487) Am Kulturufer, frei zugänglich
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Anfahrt und praktische Informationen

Bingen am Rhein liegt direkt an der A61 (Ausfahrt Bingen-Ost) und ist per Bahn über den Bahnhof Bingen (Rhein) Hbf erreichbar – von Mainz in rund 20 Minuten, von Koblenz in rund 50 Minuten. Die Touristeninformation befindet sich am Rheinkai 21, direkt am Kulturufer. Parkplätze gibt es am Kulturufer und in der Innenstadt, teils kostenpflichtig. Wer mit dem Fahrrad kommt, nutzt den gut ausgebauten Radweg entlang des Rheins – Bingen liegt direkt am Rheinradweg.

Das Binger Winzerfest findet jährlich Anfang September statt und zieht Besucher aus der gesamten Region an. Rhein in Flammen ist am ersten Samstag im Juli. Stadtführungen starten samstags um 10:30 Uhr von April bis Oktober an der Tourist-Information, Teilnahme 10 Euro, Kinder ab 6 Jahren 5 Euro.

Häufige Fragen zu Bingen am Rhein

Ein mittelalterlicher Wacht- und Zollturm auf einer kleinen Rheininsel direkt vor Bingen, um 1300 erbaut. Sein Name stammt vom mittelhochdeutschen „musen“ (wachen, lauern), nicht von Mäusen. Er ist nur bei Sonderführungen betretbar, von der Uferpromenade aber gut zu sehen.
Die Burg beherbergt die Stadtverwaltung und ist nicht frei zugänglich. Der 37,5 m hohe Bergfried kann in den Sommermonaten tagsüber als Aussichtsturm bestiegen werden. Die Terrasse bietet einen der besten Panoramablicke der Stadt.
Sie gründete ihr Kloster Rupertsberg am Rand von Bingen und starb hier 1179. Das Historische Museum am Strom widmet ihr die größte Abteilung. 2012 wurde sie zur Kirchenlehrerin erhoben – ein seltener Titel in der Geschichte der katholischen Kirche.
Jedes Jahr am ersten Samstag im Juli. Großfeuerwerke werden über dem Rhein gezündet, beleuchtete Schiffe fahren durch das Tal zwischen Trechtingshausen und Rüdesheim.
Mit dem Auto über die A61, Ausfahrt Bingen-Ost. Per Bahn ab Mainz in ~20 Minuten, ab Koblenz in ~50 Minuten. Fahrradfahrer nutzen den Rheinradweg direkt bis ans Kulturufer.
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  • Beitrags-Kategorie:Städte-Gemeinden
  • Beitrag zuletzt geändert am:21. Juni 2026