Der Westerwald ist kein Gebirge, das mit Superlativen protzt. Keine Gletscher, keine Dreitausender, keine Skiresorts mit Aprés-Ski-Betrieb. Was er stattdessen bietet, ist eine ruhige, fast introvertierte Landschaft aus Hochflächen, dichten Mischwäldern, Basaltkuppen und stillen Weihern – und wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Fülle an Aktivitäten im Westerwald, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Wandern auf einem der schönsten Fernwanderwege Deutschlands, Kanufahren auf der Lahn, Tauchen in ein Eisenerzbergwerk aus der Krupp-Ära oder Staunen über ein 25 Millionen Jahre altes Nagetier-Fossil. Das alles wartet im rheinland-pfälzischen Teil des Westerwalds.
Der Westerwald erstreckt sich über drei Bundesländer – Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen – wobei der rheinland-pfälzische Anteil mit dem Westerwaldkreis das Kerngebiet bildet. Die Region liegt verkehrsgünstig zwischen Koblenz, Siegen und dem Lahntal und ist sowohl als Tagesausflugsziel als auch für mehrere Urlaubstage ideal geeignet. Wer von Mai bis Oktober kommt, findet die beste Kombination aus Wetter, Öffnungszeiten und Naturgenuss.
Wandern auf dem WesterwaldSteig
Wer einen Maßstab braucht, um den WesterwaldSteig einzuordnen: Er gehört zu den „Top Trails of Germany“, den 16 als beste eingestuften Fernwanderwegen des Landes, und wurde 2009 als Qualitätsweg „Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet – seitdem alle drei Jahre erfolgreich nachzertifiziert. Auf 235 Kilometern und 16 Etappen führt er von Herborn in Hessen bis nach Bad Hönningen am Rhein, wobei der weitaus größte Teil durch Rheinland-Pfalz verläuft.
Die Etappen sind zwischen 6 und 21 Kilometer lang und mittelschwer – mit Höhenunterschieden von rund 450 Metern und einer Höchstmarke auf der Fuchskaute bei 657 Metern. Was den Weg auszeichnet, ist nicht spektakuläre Dramatik, sondern die Abwechslung: Mal führt er durch den tief eingeschnittenen Kerbtal der Holzbachschlucht, eines der ältesten Naturschutzgebiete im Westerwald und nach Meinung vieler Wanderer sein schönster Abschnitt, mal über die offenen Hochflächen des Hohen Westerwalds mit weiten Fernblicken. Herabgestürzte Basaltblöcke im Bachbett der Holzbachschlucht, umgestürzte Urwald-Bäume – festes Schuhwerk ist auf dieser Etappe Pflicht.

Westerwälder Seenplatte – Wassersport inmitten der Natur
Mitten im Westerwald liegt eine Seenlandschaft, die an dieser Stelle kaum jemand erwartet: die Westerwälder Seenplatte mit sieben Weihern, entstanden auf einem alten Sumpfgebiet. Der Dreifelder Weiher ist mit 123 Hektar der größte der Region und ein beliebtes Ziel für Segler und Surfer. Der Postweiher bietet ein Naturstrandbad mit geprüfter Wasserqualität – ideal für Familien. Rund um die Seenplatte führen ein 34 Kilometer langer Rund-Radweg sowie der 7-Weiher-Wanderweg, der alle sieben Weiher verbindet und sich als Tagestour hervorragend eignet.

Die Seenplatte liegt direkt am WesterwaldSteig und ist einer der Höhepunkte der mittleren Etappen. Wer hier übernachtet, kann am nächsten Tag ausgeruht weiterwandern oder einen kompletten Tag dem Wasser widmen – Stand-Up-Paddling, Segeln und Bootfahren sind an mehreren Stellen möglich.
Druidenstein – ein Naturwunder aus Basalt
Bei Kirchen-Herkersdorf im Landkreis Altenkirchen erhebt sich aus dem Waldrand ein 20 Meter hoher, freistehender Basaltkegel: der Druidenstein. Er gilt als eine der bedeutendsten geologischen Sehenswürdigkeiten in Rheinland-Pfalz und ist Geopunkt im Nationalen Geopark Westerwald-Lahn-Taunus. Der Name klingt nach keltischer Magie, und tatsächlich ranken sich um den Stein jahrhundertealte Legenden – ob Druiden hier wirklich Rituale vollzogen, ist historisch nicht belegt, aber das macht ihn nicht weniger beeindruckend.
Der Druidenstein ist Teil des zertifizierten Druidensteigs, einer Rundwanderroute, die durch die charakteristische Basaltlandschaft des Siegerlandes führt und dabei Geologie, Geschichte und Natur miteinander verbindet. Ein lohnenswertes Ziel für alle, die die vulkanische Vergangenheit des Westerwalds hautnah erleben möchten.
Besucherbergwerk Grube Bindweide – mit der Grubenbahn unter Tage
In Steinebach/Sieg, im Landkreis Altenkirchen, wartet eines der außergewöhnlichsten Ausflugsziele des Westerwalds: das Besucherbergwerk Grube Bindweide. 1872 vom Essener Stahlriesen Alfred Krupp erworben, wurden hier bis zur endgültigen Stilllegung 1932 über fünf Millionen Tonnen Eisenerz gefördert – in Hochzeiten arbeiteten bis zu 900 Bergleute unter Tage. Seit 1986 können Besucher das Bergwerk wieder befahren.
Die Führung dauert 90 Minuten und beginnt mit einer Fahrt 800 Meter tief in den Stollen mit der original erhaltenen Schmalspurbahn. Die konstante Temperatur von rund 12 Grad Celsius und die 85-prozentige Luftfeuchtigkeit machen den Besuch zu einem sinnlichen Erlebnis – im Sommer ist der kühle Stollen eine willkommene Abkühlung. Auf der Steineberger Höhe, rund zwei Kilometer entfernt, steht der Barbaraturm, ein originalgetreues Nachbau-Fördergerüst als Aussichtsturm mit weitem Blick über den Westerwald. Geöffnet von April bis Oktober, Führungen auch für Schulklassen und Gruppen.
Stöffel-Park Enspel – Fossilien, Basalt und Abenteuer
Im Westerwaldkreis, bei Enspel, liegt eine der ungewöhnlichsten Familiendestinationen der Region: der Stöffel-Park. Was zunächst wie ein klassischer Freizeitpark klingt, ist in Wirklichkeit ein Freilichtmuseum auf dem Gelände eines ehemaligen Basaltabbaus – und birgt einen echten wissenschaftlichen Schatz. In den fossilen Ablagerungen des Sees, der sich hier vor rund 25 Millionen Jahren befand, wurde die „Stöffel-Maus“ entdeckt, ein Urzeit-Nagetier, das die Wissenschaft begeisterte.
Der Park verbindet das Geologische mit dem Spielerischen: Klettermöglichkeiten auf dem Basaltgelände, Wanderwege durch die Landschaft, historische Industrieanlagen und ein Museum, das die Entstehungsgeschichte des Westerwalds auf verständliche Weise erzählt. Alte Rangierloks und das technische Erbe des Basaltabbaus sind auf dem Gelände zu besichtigen. Für Kinder ist der Park ein Paradies – für Erwachsene, die sich für Geologie interessieren, ebenso.
Hachenburg und Keramikmuseum – Kultur im Westerwald
Hachenburg, oft als „Perle des Westerwaldes“ bezeichnet, ist eine der schönsten Kleinstädte der Region. Das barocke Schloss, die mittelalterliche Altstadt mit Fachwerkhäusern und die ruhige Atmosphäre machen Hachenburg zu einem idealen Ausflugsziel – und zu einem guten Zwischenstopp auf dem WesterwaldSteig, durch den die Stadt direkt führt.
Ein besonderes kulturhistorisches Highlight ist das Keramikmuseum Westerwald in Höhr-Grenzhausen. Die Region um Höhr-Grenzhausen, Grenzau und Ransbach-Baumbach ist seit Jahrhunderten das Zentrum der deutschen Steinzeugproduktion – der charakteristische blaugraue Westerwald-Krug mit Kobaltblau-Dekor ist weltweit bekannt. Das Museum zeigt Exponate von mittelalterlicher Keramik bis zu zeitgenössischer Keramikkunst und lädt zu Workshops ein, bei denen man selbst töpfern kann.

Barfußweg der Sinne – Natur mit allen Sinnen erleben
Mitten in Bad Marienberg, im sogenannten Park der Sinne am Kurpark Bornwiese, führt ein ungewöhnlicher Rundweg durch die Landschaft: der Barfußweg der Sinne. Schuhe aus, Socken aus – und dann Schritt für Schritt über 16 verschiedene Bodenbeläge, von kribbelnden Tannenzapfen über hartes Natursteinpflaster, runde Flusskiesel, aneinandergereihte Rundhölzer und weichen Rindenmulch bis hin zu frischem Rasen. Zwei Kneipp-Wasserbecken sorgen für zusätzliche Erfrischung. Der Weg ist jederzeit frei zugänglich, der Eintritt kostenlos.


Neben dem Barfußweg gehört auch ein Apothekergarten mit über 100 verschiedenen Pflanzen – von der Königskerze bis zum Lavendel – zum Park der Sinne. Der Park eignet sich hervorragend als entspannte Ergänzung zu einem Besuch im benachbarten Wildpark Bad Marienberg oder als ruhige Pause nach einer Wanderetappe auf dem WesterwaldSteig, der direkt durch Bad Marienberg führt.
- WesterwaldSteig: 235 km, 16 Etappen, Top Trail of Germany – Teiletappen ab Bad Marienberg oder Hachenburg
- Westerwälder Seenplatte: Dreifelder Weiher (123 ha), Segeln, SUP, Naturstrandbad Postweiher
- Druidenstein Kirchen-Herkersdorf: 20 m hoher Basaltkegel, Geopunkt, Teil des Druidensteigs
- Grube Bindweide Steinebach/Sieg: Grubenbahn, 90-Min-Führung, Heilstollen, Barbaraturm
- Stöffel-Park Enspel: Freilichtmuseum, Fossilien, Klettermöglichkeiten, Basaltgelände
- Hachenburg: Barockschloss, historische Altstadt, direkt am WesterwaldSteig
- Keramikmuseum Westerwald Höhr-Grenzhausen: Steinzeuggeschichte, Töpfer-Workshops
- Barfußweg der Sinne Bad Marienberg: 16 Bodenbeläge, Kneipp-Becken, Eintritt frei
Wer die Aktivitäten im Westerwald mit einem Ausflug ins benachbarte Lahntal verbinden möchte, findet in unserem Artikel zu Urlaub an der Lahn weitere Tipps – Nassau und Bad Ems liegen nur eine knappe Stunde vom Westerwaldkern entfernt.
Zeburinder und Skulpturen an der Wied | Westerwald
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=flfebhZz7-Q
Häufige Fragen zu Aktivitäten im Westerwald
Die Redaktion von www.rhein-pfalz-aktiv.de ist Ihr kompetenter Begleiter rund um das Thema Rheinland-Pfalz. Mit fundiertem Wissen und großer Begeisterung für die Region informieren wir über aktuelle Ereignisse, Freizeitmöglichkeiten, kulturelle Highlights und vieles mehr. Unser Ziel ist es, Leserinnen und Leser zu inspirieren, Rheinland-Pfalz aktiv zu entdecken und zu erleben. Das kann bei Wanderungen, kulinarischen Genüssen oder kulturellen Veranstaltungen sein. Wir freuen uns, Ihnen die Vielfalt und Schönheit unseres Bundeslandes näherzubringen.
