Cochem hat eine Eigenschaft, die nicht viele Städte von sich behaupten können: Man sieht das Highlight, bevor man überhaupt angekommen ist. Schon aus dem Zugfenster oder vom Rheinradweg aus taucht sie auf – die Reichsburg, hoch über den Dächern der Altstadt auf einem steilen Bergkegel, mit Zinnen, Türmen und einem Umriss, der wie aus einem Märchenbuch herausgeschnitten wirkt. Und dann, wenn man in die engen Gassen der Altstadt einbiegt, zwischen farbenfrohen Fachwerkhäusern und dem Duft von Moselwein – versteht man, warum William Turner hier mehrfach haltmachte und die Stadt auf Papier bannte.
Cochem ist mit rund 5.000 Einwohnern eine kleine Stadt, aber keine unbekannte. Wer die Mosel kennt, kennt Cochem. Das Städtchen liegt an einer der schönsten Moselschleifen, eingebettet zwischen terrassierten Weinbergen und dem grünen Hang des Cochemer Krampen – einem Naturschutzgebiet direkt an der Stadt. Die Kombination aus Burg, Altstadt, Weinkultur und Flusslandschaft macht Cochem zu einem der meistbesuchten Ausflugsziele der gesamten Moselregion.
Die Reichsburg – ein neugotischer Traum mit mittelalterlichen Wurzeln
Was so makellos mittelalterlich aussieht, ist es nur zum Teil. Die Reichsburg Cochem wurde um das Jahr 1100 erstmals errichtet – urkundlich erwähnt im Jahr 1130 – und diente über Jahrhunderte als Zollburg: Von hier oben, rund 100 Meter über der Mosel, ließ sich jeder Kahn kontrollieren, der das Tal passieren wollte. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 sprengten französische Truppen die Anlage. Was blieb, waren Mauerreste und eine Ruine, die über 170 Jahre lang dem Verfall überließen wurde.
Den Wendepunkt brachte Louis Frédéric Jacques Ravené, ein wohlhabender Berliner Eisenwarenhändler, der sein Vermögen im Eisenbahnboom des 19. Jahrhunderts gemacht hatte. 1868 kaufte er die Ruine und ließ sie bis 1877 im neugotischen Stil vollständig wiederaufbauen – als Sommersitz der Familie. Architekt war Georg Morin, der Ravené einen Bau lieferte, der mehr märchenhaft als historisch korrekt war: Zinnen, spitze Türme, Erkerfenster, Wehrgang und Burgkapelle in einem romantisierten Bild des Mittelalters, wie es die Epoche des Historismus liebte. Ravené starb 1879, kurz nach Fertigstellung. Sein Sohn vollendete den Ausbau. 75 Jahre lang blieb die Burg in Familienbesitz, 1942 fiel sie an das Deutsche Reich, nach dem Krieg an das neu gegründete Rheinland-Pfalz. Seit 1978 gehört die Reichsburg der Stadt Cochem – und Ravené ist heute Ehrenbürger. Eine Straße trägt seinen Namen.
Was man in der Burg sehen kann
Die Reichsburg ist täglich von März bis November geöffnet, im Winter mit eingeschränkten Zeiten. Das Außengelände kann kostenlos besucht werden. Wer die Innenräume sehen möchte, bucht eine der mehrsprachigen Burgführungen – sie dauern rund 40 Minuten und führen durch Rittersaal, Speisesaal, Jagdzimmer, Burgkapelle und Kemenate. Alle Räume sind mit Möbeln und Kunstgegenständen aus dem 19. Jahrhundert ausgestattet, die den Stil des Wiederaufbaus authentisch widerspiegeln. Der Bergfried bietet einen der schönsten Panoramablicke der gesamten Mosel: Das Tal öffnet sich in beide Richtungen, die Weinberge des Cochemer Krampen leuchten, und die Altstadt liegt wie ein farbiges Teppichmuster zu Füßen.
Freitags und samstags finden zudem rustikale Rittermahle statt – die sogenannte „Gasterey nach Art der alten Rittersleut“ – bei denen Gäste in historischem Ambiente speisen. Im Advent gibt es die Cochemer Burgweihnacht, immer am vorletzten Wochenende vor Heiligabend, einem der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte der Region. Für Kinder lohnen sich die Geisterführungen, bei denen auch normalerweise nicht zugängliche Winkel der Burg besichtigt werden.
- Zu Fuß durch die AltstadtDer schönste Weg: vom Marktplatz durch die Schlossstraße oder das steile „Tummelchen“ hinauf zur Burg. Dauer: 10–15 Minuten. Unterwegs öffnen sich immer neue Blicke auf die Mosel und die Altstadt.
- Mit dem Shuttle-BusEin Shuttlebus fährt vom Stadtzentrum zur Burg. Einfache Fahrt 2,50 €, Hin- und Rückfahrt 4,00 € (Stand 2024). Praktisch für Familien mit kleinen Kindern oder nach dem Besuch mit müden Beinen.
- Mit dem AutoParkplätze am Burgberg. Vom Parkplatz sind es wenige Minuten zu Fuß zum Eingang. Empfehlung: Kommen Sie früh, besonders im Sommer füllen sich die Parkplätze schnell.

Die Altstadt – Fachwerk, Weinstuben und drei mittelalterliche Stadttore
Wer nur wegen der Reichsburg nach Cochem kommt, verpasst die Hälfte. Die Altstadt ist für sich genommen ein Erlebnis. Drei historische Stadttore – das Enderttor, das Martinstor und das Balduinstor – rahmen das Zentrum ein, das sich zwischen Burgberg und Moselufer erstreckt. Das Herzstück ist der historische Marktplatz mit schiefergedeckten Fachwerkhäusern und dem Rathaus von 1739. Die engen Gassen dahinter, gesäumt von Weinstuben, kleinen Läden und Cafés, sind zwar touristisch frequentiert – aber auch abseits der Hochsaison stimmungsvoll.
Ein besonderes Erlebnis bietet die Nachtwächterführung: Jeden Samstag abends führt ein Nachtwächter durch die Altstadt und erzählt Geschichten aus der langen Stadtgeschichte. Tickets kosten 10 Euro pro Person und müssen vorab online gebucht werden. Wer lieber tagsüber schaut: Der Aussichtspunkt Pinnerkreuz auf der anderen Moselseite im Stadtteil Cond bietet einen der schönsten Blicke auf die gesamte Stadtkulisse – Altstadt, Mosel und Reichsburg in einem Panorama.
Sesselbahn, Schifffahrt und Weinberge
Die Cochemer Sesselbahn fährt von der Altstadt auf den Pinnerberg hinauf – von dort oben öffnet sich ein weiter Blick über das Moseltal, der besonders in der Weinlesezeit im Oktober beeindruckend ist. Die Seilbahn ist saisonal geöffnet und kann für Familien mit Kindern eine schöne Ergänzung zum Burgbesuch sein.
Von Cochem legen regelmäßig Schiffe zur Moselschifffahrt ab – besonders beliebt ist die Tour in das beschauliche Moseldorf Beilstein mit seiner kleinen Burg Metternich und dem mittelalterlich anmutenden Marktplatz. Die Fahrt führt durch eine Schleuse und dauert je nach Angebot ein bis zwei Stunden. Wer mehr Zeit hat, fährt weiter bis nach Traben-Trarbach oder hinunter nach Koblenz. Die Weinberge rund um Cochem – allen voran die Lagen am Cochemer Krampen – sind typisch für die Terrassenmosel: steile Schieferhänge, Handarbeit, Riesling. Eine Weinprobe in einer der zahlreichen Straußwirtschaften oder Weinstuben gehört zu einem Cochemer Besuch dazu.
- Reichsburg Cochem – größte Höhenburg an der Mosel, März–November täglich geöffnet, Burgführungen ~40 Min.
- Historische Altstadt – drei Stadttore, Marktplatz mit Rathaus (1739), Fachwerkhäuser
- Cochemer Sesselbahn – auf den Pinnerberg, Panoramablick übers Moseltal
- Aussichtspunkt Pinnerkreuz – bester Blick auf Altstadt, Burg und Mosel von der Gegenseite
- Moselschifffahrt – Rundfahrten und Tagestouren nach Beilstein, Traben-Trarbach oder Koblenz
- Nachtwächterführung – jeden Samstag abends, 10 € pro Person, Online-Buchung erforderlich
- Cochemer Burgweihnacht – vorletztes Wochenende vor Heiligabend, stimmungsvoller Weihnachtsmarkt
- Weinproben – Straußwirtschaften und Weingüter rund um den Cochemer Krampen

Anfahrt und praktische Informationen
| Information | Details |
|---|---|
| Adresse Reichsburg | Schlossstraße 36, 56812 Cochem |
| Reichsburg Öffnungszeiten | März–November täglich 10–18 Uhr, Winter eingeschränkt |
| Außengelände | Kostenlos zugänglich |
| Shuttle-Bus | Einfach 2,50 €, Hin & Rück 4,00 € |
| Anfahrt Bahn | Bahnhof Cochem (Moseltalbahn), von Koblenz ~45 Min., von Trier ~1 Std. |
| Anfahrt Auto | A48 bis Ausfahrt Kaisersesch, dann B49 Richtung Cochem; Parkplätze am Conder Ufer (teils kostenlos) |
| Tipp Parken | Stadtteil Cond auf der anderen Moselseite – kostenlos, 5–10 Min. Fußweg ins Zentrum |
Wer von Cochem aus die weitere Moselregion erkunden möchte, findet in unserem Artikel zum Moselsteig alle Infos zu den Etappen durch die Terrassenmosel – Cochem liegt direkt an den Etappen 15 und 16 des Fernwanderweges.
Häufige Fragen zu Cochem
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