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Burg Klopp Bingen

Burg Klopp Bingen – Wahrzeichen über dem Rhein-Nahe-Eck

Wer Bingen am Rhein betritt, sieht sie sofort – hoch über den Dächern der Altstadt, auf einem Bergvorsprung in rund 130 Metern Höhe, thront Burg Klopp über dem Zusammenfluss von Rhein und Nahe. Die Anlage ist das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt, sichtbar von der Rheinpromenade, vom gegenüberliegenden Ufer und von weit draußen auf dem Strom. Was heute zu sehen ist, trägt das Gewand des 19. Jahrhunderts – neugotische Zinnen, ein schlanker Bergfried, ein repräsentatives Hauptgebäude. Darunter aber stecken Schichten, die bis ins frühe Mittelalter und noch weiter zurückreichen.

Seit 2002 gehört Burg Klopp zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal – ein Ensemble aus Burgen, Weinbergen und Flusstälern, das zu den bekanntesten Kulturlandschaften Deutschlands zählt. Die Anlage in Bingen ist dabei nicht nur ein Blickfang, sondern auch ein genutztes Baudenkmal: Seit 1897 hat die Binger Stadtverwaltung hier ihren Sitz, und im Burgsaal empfängt ein Restaurant Gäste mit Blick auf das Rheintal.

Vom Zollposten zur Stadtburg – 800 Jahre Geschichte auf einem Hügel

Die Ursprünge des Kloppbergs liegen im Dunkel. Römische Fundamente unter dem Bergfried und ein über 52 Meter tiefer Brunnen, der vermutlich aus römischer Zeit stammt, deuten auf eine Nutzung weit vor dem Mittelalter hin. Der Legende nach soll Kaiser Otto II. dem Gründer des Mainzer Doms, Erzbischof Willigis von Mainz, die Burg samt dem Rheingau geschenkt haben – als Dank für seine Treue. Nach dem Tod des Erzbischofs fiel der Besitz zurück an das Reich.

Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung als Wohnsitz eines Klerikers stammt aus dem Jahr 1240, ab 1277 taucht der Name „Burg Clopp“ in Quellen auf. Zweck des Baus war die Stärkung der kurmainzischen Zollbarriere: Zusammen mit Burg Ehrenfels am gegenüberliegenden Rheinufer und dem später errichteten Mäuseturm mitten im Strom bildete sie einen dreifachen Kontrollpunkt, durch den kein Schiff unkontrolliert passieren konnte. Kaiser Friedrich I. Barbarossa zerstörte 1165 Burg und Stadt im Zuge eines Machtkampfs mit dem Erzbischof von Mainz – 1200 wurde beides prächtiger wieder aufgebaut.

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1438 verkaufte Erzbischof Dietrich Schenk von Erbach die Stadt und die Burg an das Mainzer Domkapitel. Die Anlage diente von da an auch als Zwingburg, von der aus die aufmüpfigen Binger Bürger kontrolliert wurden – die Stadt hatte seit dem 13. Jahrhundert immer wieder nach Unabhängigkeit gestrebt und zuletzt auch am Bauernkrieg 1525 teilgenommen, vergebens. Der Dreißigjährige Krieg brachte schwere Schäden, 1653 folgte ein Wiederaufbau. Nur 36 Jahre später zerstörten französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 die Anlage erneut. Den Schlusspunkt setzte die Mainzer Besatzung selbst: 1711 und 1712, während des Spanischen Erbfolgekriegs, sprengte sie die verbliebenen Reste, um dem Gegner keine Rückzugsbasis zu hinterlassen.

Geschichte auf einen Blick: Römische Fundamente → mittelalterliche Burg ab 1240 → Zerstörung durch Barbarossa 1165, Wiederaufbau 1200 → Dreißigjähriger Krieg → Zerstörung 1689 → Sprengung 1711/12 → Wiederaufbau ab 1853 → neugotisches Hauptgebäude 1875–1879 → Stadtverwaltung seit 1897 → UNESCO-Welterbe seit 2002.

Die Rheinromantik baut eine Burg – der Wiederaufbau im 19. Jahrhundert

Was nach den Sprengungen übrig blieb, war wenig: die unteren Mauern des Bergfrieds, der Halsgraben und Teile der südlichen Ringmauer. Die Ruine wechselte mehrfach den Besitzer – unter anderem erwarb sie um 1840 Gustav Johann von Mengden, der sie wiederaufbauen wollte, seinen Plan dann aber aufgab und sie 1853 an den Kölner Reeder und Kaufmann Ludwig Maria Cron verkaufte. Cron ließ noch im selben Jahr einen Teilwiederaufbau vornehmen: Brücke, Torhaus, Wehrgang und Bergfried wurden in Stand gesetzt.

Den entscheidenden Schritt unternahm dann Eberhard Soherr – Architekt, Binger Bürgermeister und Mann mit einem klaren ästhetischen Programm. Von 1875 bis 1879 ließ er das neugotische Hauptgebäude errichten, das die Burg heute prägt. Gebaut wurde nach dem Geschmack der Rheinromantik: Zinnen, Türme, Spitzbogenfenster, ein Bild einer Burg, wie man sie sich im 19. Jahrhundert vorstellte. Dass das Original vermutlich ganz anders aussah, störte niemanden – Authentizität war nicht das Ziel, Atmosphäre schon. Victor Hugo und Richard Wagner hatten den Kloppberg bereits besucht und gerühmt. Bingen wusste um seinen malerischen Wert.

1897 erwarb die Stadt Bingen die Anlage und verlegte die Stadtverwaltung in die Räume des neugotischen Hauptgebäudes – eine Nutzung, die bis heute anhält. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Burg schwere Schäden, wurde aber wieder instand gesetzt. Vom Mittelalter erhalten blieben lediglich die unteren Mauern des Bergfrieds, der Halsgraben und Teile der südlichen Ringmauer mit Resten des Wehrgangs. Alles andere ist 19. Jahrhundert.

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Was es heute zu sehen gibt

Der Innenhof der Burg ist ganzjährig und kostenlos zugänglich – ein belebter Ort, an dem sich Besucher mit Stadtbewohnern mischen, die zur Stadtverwaltung oder zum Standesamt kommen. Im Hof fällt sofort der mittelalterliche Brunnen auf, 1854 wiederentdeckt und restauriert, mit einem Schacht, der über 52 Meter in den Fels hinabreicht. Der Bergfried – 37,5 Meter hoch – ist von April bis Oktober tagsüber geöffnet und als Aussichtsturm besteigbar. Wer die gut 150 Stufen auf sich nimmt, wird mit einem der schönsten Panoramen am Rhein belohnt: Das Mittelrheintal öffnet sich in beide Richtungen, der Mäuseturm liegt zu Füßen, die Weinberge des Rheingaus funkeln gegenüber, und an klaren Tagen reicht der Blick weit ins rheinhessische Hügelland und ins Nahetal.

Im Bergfried befindet sich auch eine kleine Ausstellung, die den illustren Gästen der Burg gewidmet ist – Literaten, Künstler und Adlige, die Bingen und die Anlage im 19. Jahrhundert besuchten und in ihren Werken verewigten. Darunter: Clemens Brentano, Victor Hugo, Richard Wagner. Außerdem sind im Turm Fundstücke aus römischer Zeit ausgestellt, darunter ein Arztbesteck aus der frühchristlichen Römerzeit – ein stiller Zeuge der langen Vorgeschichte des Platzes.

  • Bergfried (37,5 m) – April bis Oktober als Aussichtsturm geöffnet, Panoramablick über Rhein, Mäuseturm und Weinberge
  • Kleine Ausstellung im Bergfried – illustre Gäste der Rheinromantik, römische Fundstücke
  • Mittelalterlicher Brunnen – über 52 Meter tief, 1854 wiederentdeckt
  • Innenhof – ganzjährig kostenlos zugänglich, Standesamt für Trauungen
  • Restaurant Burg Klopp – regionale Küche mit Rheinblick, Mi–So geöffnet
  • Terrasse – bester Aussichtspunkt der Stadt auf Mäuseturm und gegenüberliegende Weinberge

Heiraten mit Blick auf den Rhein – Standesamt und Restaurant

Burg Klopp ist nicht nur Geschichte und Aussicht. Das Standesamt der Stadt Bingen hat seinen Sitz hier, und standesamtliche Trauungen in den historischen Räumen der Burg sind möglich – eine Kulisse, die kaum zu toppen ist. Für den Empfang im Anschluss empfiehlt sich das Restaurant Burg Klopp im Burgsaal, das regionale Küche und Moselweine mit einem der besten Ausblicke der Region kombiniert. Geöffnet ist es Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 14:30 Uhr und ab 18 Uhr, Montag und Dienstag sind Ruhetage. Reservierungen unter info@restaurant-burg-klopp.de.

💡 Tipp: Standesamtliche Trauungen auf Burg Klopp sind beim Standesamt Bingen buchbar. Das Restaurant im Burgsaal bietet Empfangsmöglichkeiten für Gruppen – Reservierung empfohlen.

Anfahrt und praktische Informationen

Information Details
Adresse Burg Klopp, 55411 Bingen am Rhein
Innenhof Ganzjährig kostenlos zugänglich
Bergfried April bis Oktober tagsüber geöffnet, kostenlos
Restaurant Mi–So 12–14:30 Uhr & ab 18 Uhr, Mo/Di Ruhetag
Parken Kostenpflichtige Parkplätze an der Burg, Fußweg ca. 100 m
Anfahrt mit der Bahn Bahnhof Bingen (Rhein) Hbf, von Mainz ~20 Min., von Koblenz ~50 Min.
UNESCO-Welterbe Teil des Welterbes Oberes Mittelrheintal seit 2002
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Wer die Burg mit einem ausgedehnten Stadtbummel verbinden möchte, findet in unserem Artikel zu Bingen am Rhein alle weiteren Sehenswürdigkeiten – vom Mäuseturm über das Kulturufer bis zur Rochuskapelle. Und wer Burgen in der weiteren Region erkunden möchte, findet in unserem Überblick zu den Märchenschlössern in Rheinland-Pfalz weitere Ausflugsziele.

Häufige Fragen zur Burg Klopp

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1240, ab 1277 taucht der Name „Burg Clopp“ auf. Das heutige Erscheinungsbild stammt überwiegend aus dem 19. Jahrhundert – der neugotische Wiederaufbau erfolgte von 1875 bis 1879.
Ja – der 37,5 m hohe Bergfried ist von April bis Oktober tagsüber kostenlos geöffnet und bietet einen Panoramablick über das Mittelrheintal, den Mäuseturm und die Weinberge des Rheingaus.
Der Innenhof ist ganzjährig kostenlos zugänglich. Auch der Bergfried ist ohne Eintritt besteigbar.
Ja – das städtische Standesamt hat hier seinen Sitz. Trauungen in den historischen Räumen sind buchbar, das Restaurant im Burgsaal bietet Empfangsmöglichkeiten.
Mit dem Auto über die A61, Ausfahrt Bingen-Ost, dann der Beschilderung zur Burg folgen. Per Bahn bis Bingen (Rhein) Hbf, dann ca. 15 Minuten Fußweg durch die Altstadt bergauf. Parkplätze an der Burg kostenpflichtig, Fußweg zur Anlage ca. 100 m.
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  • Beitrags-Kategorie:Burgen-Schlösser
  • Beitrag zuletzt geändert am:21. Juni 2026