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Tolle Knolle aus der Scholle

Im Rhein-Pfalz-Kreis gibt es jede Menge Berber. Gemeint sind nicht die Wüstensöhne, die mit dem Kamel durch die Sahara ziehen: Pfälzer Berber gedeihen im guten Lößboden unter der warmen Frühjahrssonne. Deshalb sind sie sehr früh erntefähig. Schon nach 90 Tagen, wie es sich für eine ordentliche ,,Pälzer Grumbeer’’ gehört, haben sie den erforderlichen Stärkegehalt von zehn Prozent. Berber – eine von zehn in der Pfalz bevorzugt angebauten Frühkartoffelsorten – laufen jeden Mai zu Hochform auf, wenn die ersten Frühlingskartoffeln im größten geschlossenen Frühkartoffel-Anbaugebiet Deutschlands gerodet werden. Und dann heißt es für die Pfälzer Kartoffelbauern: ,,‘rin in die Kartoffeln!’’ Oder, besser gesagt, ,,‘noi in die Grumbeere!’’

Die ersten deutschen Frühkartoffeln stammen - dank warmen Klimas, Frostberegnung und Folienanbaus - aus pfälzischer Scholle. Das Saatgut – ab Dezember in Kisten vorgekeimt – ist normalerweise in der ersten Märzwoche gepflanzt.

Was unterscheidet nun Frühkartoffeln, die von Mai bis Anfang August gerodet werden, von den direkt im Anschluss geernteten Speisekartoffeln? Frühkartoffeln sind wie Frühgemüse zart und empfindlich. Weil sie im vollen Wachstumsschub gerodet werden, haben sie noch keine feste Schale. Das heißt, sie können – im Gegensatz zu Speisekartoffeln – nicht lange gelagert werden.

Für jedes Gericht gibt es die richtige Kartoffel. Festkochende Sorten wie Cilena, Exquisa, Nicola oder Selma eignen sich gut für Kartoffelsalat, Bratkartoffeln oder Gratins, weil sie nach dem Kochen nicht zerfallen. Die ,,mehligeren’’ Sorten werden als ,,vorwiegend festkochend“ bezeichnet. Frühkartoffelsorten wie Arkula, Christa, Gloria, Premiere, Erstlinge oder Prior, Speisekartoffelsorten wie Agria, Solara, Secura, Quarta oder Ulla munden als Pürree oder Klöße, in Suppen und Eintöpfen besser. Ob Puffer, Knödel oder Brei: Die vielseitige Kartoffel bereichert den Speisezettel. Wegen ihrer günstigen Zusammensetzung von Nähr- und Mineralstoffen und ihrem hohen Gehalt an Vitamin C ist die Knolle auch gesund. Und: Dick macht nicht die Grumbeer, sondern höchstens das üppige Drumherum!

Wer sich ausführlicher mit der ,,Pälzer Grumbeer’’ beschäftigen will, findet im ersten und einzigen Deutschen Kartoffelmuseum in Fußgönheim zwar nicht alles, aber vieles Wissenswerte über die Knolle. Ausgefallene Rezepte, Vorstellung der verschiedenen Sorten, aber auch Kurioses werden in der ehemaligen Synagoge und im Heimatmuseum präsentiert.

Die Tolle Knolle
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